
Über mich
Fünfzig Jahre Erfahrung mit Menschen, Kultur und Veränderung
Ich habe mein Leben selten entlang eines geraden Karrierewegs organisiert. Eher folgte ich meiner Neugier, meiner Lust am Gestalten und der Frage, wie Menschen gemeinsam etwas schaffen können, das mehr ist als die Summe seiner Teile.
So führte mein Weg durch internationale Filmproduktionen, Musik und Nachtleben, Bars und Veranstaltungsorte, soziale und politische Projekte, spirituelle Praxis, Kunst, Theorie und Organisationsentwicklung. Lange erschienen mir diese Welten sehr unterschiedlich. Heute erkenne ich darin ein wiederkehrendes Muster: Ich bewege mich in komplexen Situationen, versuche zu verstehen, was in ihnen tatsächlich geschieht, und entwickle Formen, durch die Menschen, Ideen und Verantwortung sichtbar und handlungsfähig werden.
Licht, Musik und Räume
Über 25 Jahre arbeitete ich in internationalen Film- und Kulturproduktionen, als Beleuchter, Best Boy, Oberbeleuchter und Lichtgestalter. Ich drehte in Berlin, Moskau, Neapel, auf den Cayman Islands und an vielen anderen Orten. Filmsets sind hochkomplexe soziale Systeme. Unter großem Zeitdruck müssen unterschiedliche Gewerke, kreative Vorstellungen, technische Abhängigkeiten, Hierarchien und menschliche Bedürfnisse immer wieder neu zusammenfinden.
Als Lichtgestalter lernte ich, Räume, Körper und Geschichten sichtbar zu machen. In leitenden Funktionen erfuhr ich, dass ein gutes Bild nur entstehen kann, wenn Planung, Material, Kommunikation, Aufmerksamkeit und Beziehungen im entscheidenden Moment zusammenspielen. Vieles von dem, was heute in der Organisationsentwicklung als Agilität, Selbstorganisation oder verteilte Verantwortung beschrieben wird, habe ich dort zunächst ganz praktisch erlebt.
Ebenso prägend waren die Zwischenräume zwischen den Produktionen. Ich spielte 25 Jahre Bass in Crossover, Punk und Trip-Hop-Bands, arbeitete als Backliner bei Konzerten und fuhr mit Tourbussen kreuz und quer durch Europa. Im Münzsalon, im Studio U und an anderen Orten entwickelte, organisierte und hostete ich zahlreiche Veranstaltungen. Ich stand bei unzähligen Events hinter dem Tresen, arbeitete einen Winter lang im Kuchi in Berlin-Mitte und war Mitgründer des Kapital.ist (ein scheues Reh), einer Bar in Prenzlauer Berg.
In diesen Räumen lernte ich eine andere Form sozialer Intelligenz: Atmosphären wahrzunehmen, Menschen zu lesen, Übergänge zu gestalten und Konflikte früh zu erkennen. Gemeinschaft entsteht nicht allein durch ein gutes Konzept, sondern durch Präsenz, Rhythmus, Gastfreundschaft und die Aufmerksamkeit für scheinbar nebensächliche Details.
Auch Bewegung und Abenteuer gehören zu meiner Geschichte. Snowboarden, BMX, Tanzen und andere körperliche Praktiken haben meinen Sinn für Risiko, Balance, Timing und stimmige Bewegung geprägt. Sie lehrten mich, mich in dynamischen Situationen nicht allein auf Planung zu verlassen, sondern ebenso auf Wahrnehmung, Erfahrung und die Fähigkeit, im richtigen Moment zu reagieren.

Die Muster hinter der Erfahrung
Mit der Zeit wollte ich genauer verstehen, welche Muster all diesen Erfahrungen zugrunde liegen. Mein Weg führte mich über Dramaturgie, Mythologie und systemische Arbeit zur School for Designing a Society in den USA. Dort setzte ich mich intensiv mit Systemtheorie, sozialer Kybernetik und Social Design auseinander: mit der Frage, wie Menschen ihre Beziehungen, Organisationen und gesellschaftlichen Wirklichkeiten bewusst gestalten können.
Zugleich beschäftigte mich immer stärker, wie institutionelle und politische Systeme funktionieren und wie man als mündiger Bürger Verantwortung in ihnen übernimmt. Zwei Jahre arbeitete ich im Vorstand eines Berufsverbands der Filmbranche. Dort gestaltete ich eine Initiative zur Entwicklung von Berufsbildern für die Lichtabteilung. Die tatsächlichen Kompetenzen, Verantwortlichkeiten und Tätigkeiten dieser Berufe sollten auch für Institutionen und politische Entscheidungsträger erfassbar werden.
In Gesprächen im Deutschen Bundestag ging es letztlich um eine Aufgabe, die meine gesamte Arbeit durchzieht: gelebte, aber oft unsichtbare Realität wahrzunehmen, sie präzise zu übersetzen und dadurch im System wirksam zu machen.
Spirituelle Praxis und soziale Verantwortung
Parallel dazu entwickelte sich eine weitere, ebenso wichtige Linie meines Lebens. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit Meditation, Embodiment und schamanischen Erkenntnistraditionen. Seit ungefähr zehn Jahren arbeite und forsche ich mit der Foundation for Shamanic Studies.
In internationalen sozialen Projekten mit Patch Adams und dem Gesundheit! Institute war ich als Clown unterwegs, unter anderem in Guatemala und im peruanischen Amazonasgebiet. Dort übernahm ich zugleich psychosoziale Verantwortung für große Gruppen von Aktivistinnen und Aktivisten.
Ich arbeitete mit der Psychedelic Society Berlin in der Aufklärungsarbeit rund um Psychedelika zusammen. Über fünf Jahre hinweg betreute ich Welfare-Strukturen bei verschiedenen europäischen Burning-Man-Veranstaltungen. Für Kiez Burn entwickelte ich einen Tempel der Trauer und eine kollektive Zeremonie für rund 1.500 Menschen.
Ob am Filmset, hinter einer Bar, im Dschungel, in einem Welfare-Zelt oder in einem Ritualraum: Immer wieder ging es darum, aufmerksam zu erfassen, was eine Situation wirklich braucht, Verantwortung zu übernehmen und eine Form zu schaffen, die Menschen trägt.
Kulturelles Erbe und gegenwärtige Verantwortung
Eine weitere wesentliche Prägung ist meine persönliche und forschende Auseinandersetzung mit afrikanischer Kunst, Dekolonialisierung und Provenienz. Ich bin als Deutscher mit afrikanischen Kunstobjekten aufgewachsen. Sie stammen aus Kulturen, die nicht meine eigenen sind, und sind zugleich Teil meiner persönlichen Geschichte und meiner heutigen Lebenswirklichkeit.
Aus dieser Nähe entstehen keine einfachen Antworten, sondern anspruchsvolle Fragen: nach kolonialer Gewalt und Besitz, nach Herkunft und Beziehung, nach dem Erbe früherer Generationen und nach der Verantwortung derjenigen, die heute mit diesem Erbe leben. Was wurde uns übergeben und unter welchen Bedingungen? Was dürfen wir bewahren, was müssen wir zurückgeben und welche Beziehungen müssen wir neu herstellen?
Auch darin begegnen sich für mich Systemtheorie, Kybernetik und spirituelle Erfahrung. Es geht darum, wie Vergangenheit in gegenwärtigen Systemen weiterwirkt, wie Beziehungen über Zeit und Raum bestehen bleiben und wie Verantwortung zwischen Generationen weitergegeben wird.
Innehalten, überprüfen, neu ausrichten

Ein gesundheitlicher Zusammenbruch um 2019 und die Jahre der Pandemie unterbrachen meinen bisherigen Rhythmus. Diese Zeit gab mir die Möglichkeit, innezuhalten, meine Erfahrungen neu zu ordnen und mich noch intensiver mit Theorie, Heilung, Belastung und Veränderung auseinanderzusetzen.
Ich ließ mich unter anderem zum Systemischen und Agilen Coach, Organisationsentwickler, Prozess- und Veränderungsmanager, Mediator, Fördermittelmanager und psychologischen Berater ausbilden. Diese Qualifikationen stehen nicht neben meiner praktischen Erfahrung. Sie helfen mir, das Erlebte mithilfe von Metatheorien, Modellen und professionellem Handwerk immer wieder zu überprüfen, zu differenzieren und weiterzuentwickeln.
Ästhetik in der Aktion
Was all diese Bereiche für mich verbindet, ist die Ästhetik in der Aktion. Damit meine ich nicht Schönheit als Oberfläche, sondern die Qualität, mit der etwas getan wird: aufmerksam, präzise, lebendig und der jeweiligen Situation angemessen.
Ich erkenne sie im Licht, das einen Raum oder eine Geschichte sichtbar macht. Im Groove einer Band und in einer gelungenen Bewegung auf dem Snowboard. Im verantwortungsvollen Umgang mit kulturellem Erbe. In einem Ritual, das kollektiver Trauer eine Form gibt. In einem Berufsbild, das unsichtbare Arbeit gesellschaftlich erfassbar macht. Im Coaching zeigt sie sich, wenn ein Mensch seine eigenen Stärken erkennt und ihnen Ausdruck verleiht. In der Organisationsentwicklung, wenn ein Team eine Form der Zusammenarbeit findet, die nicht nur effizient, sondern tragfähig und lebendig ist.
Diese Erfahrungen bilden für mich ein Kontinuum. Wir leben in einem Feld aus Beziehungen, Geschichten, Körpern, Bildern, Institutionen, Machtverhältnissen und Bedeutungen. Die Fähigkeit, darin Verbindungen und wiederkehrende Muster zu erkennen, ist heute die Grundlage meiner Arbeit.
Ich begleite Menschen, Teams und Organisationen dabei, ihre Situation klarer zu sehen, ihre Absichten zu verstehen und daraus konkrete Formen des Handelns zu entwickeln. Ich arbeite aufmerksam, strukturiert und zugewandt. Nicht, um Komplexität vorschnell zu reduzieren, sondern um in ihr Orientierung zu finden und das, was bereits angelegt ist, sichtbar, gestaltbar und wirksam werden zu lassen.