Ein Blick zurück mit etwas mehr Abstand
- Beda Mulzer
- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Mit meinem Austritt aus dem Vorstand des Bundesverband Beleuchtung und Kamerabühne e.V. im Februar bewegt sich meine Aufmerksamkeit nach und nach weiter weg von der Filmwirtschaft. Diese wachsende Distanz gibt mir, nicht ohne Wehmut, die Möglichkeit, noch einmal zurückzublicken.
Auf die aktuellen Bewegungen im Markt. Auf die Veränderungen in der Branche. Auf das, was außen herum geschieht. Mit etwas mehr Abstand werden manche Linien deutlicher. Als würde man von einem Schiff, das gerade ablegt, zum ersten Mal das Ufer im Ganzen sehen.
Ich schreibe das als jemand, der über zwanzig Jahre hinter der Kamera gearbeitet hat: als Beleuchter, Best Boy und Oberbeleuchter. Auf großen internationalen Produktionen wie The Reader und der Bourne-Reihe, aber auch in kleinen, beweglichen Formaten wie DRUCK für ZDFneo, wo jedes Department mit einer einzigen Person besetzt war, die interdisziplinär zusammenarbeiteten und sich gegenseitig aushalfen, wo immer es nötig wurde.
Die Faszination für komplexe Abläufe unter Druck, für Improvisation, Präzision und ständige Veränderung hat sich über die Jahre in eine Auseinandersetzung mit Organisationstheorie, Veränderungsmanagement und systemischer Arbeit verwandelt. Schließlich wurde daraus der Wechsel in Organisationsentwicklung, systemisches Coaching und agile Prozessbegleitung.
Der Weg war nicht geplant. Er hat sich ergeben. Wie so vieles in der Filmwirtschaft aus natürlichen Entwicklungen entsteht.
Jetzt, mit etwas mehr Abstand, möchte ich diesen Blick in drei Artikeln zusammenfassen.
Im ersten Artikel geht es um den Einbruch, der gerade in Zahlen sichtbar wird. Konkrete Daten aus der Crew-United-Datenbank, Stand April 2026. Zahlen, die man zweimal lesen muss. Und um die Frage, wen dieser Einbruch eigentlich wirklich trifft, jenseits von Pressemitteilungen, Branchenpanels und LinkedIn-Posts.
Im zweiten Artikel geht es um die Ursachen. Um einen eingefrorenen Rundfunkbeitrag, verschleppte Reformen, Produktionen, die still und leise ins Ausland wandern, eine Scheinselbständigkeitsgesetzgebung, die wie ein Damoklesschwert über der Branche hängt, und eine Politik, die mit Werkzeugen denkt, die für eine andere Wirtschaft gebaut wurden.
Man stelle sich vor, einem Menschen, der an einer fünf Meter langen Stange ein Mikrofon genau dort schweben lässt, wo gleich der nächste Satz eines erhitzten Streitgesprächs zwischen drei Schauspieler*innen fällt, zu erklären, er könne jetzt Kurzarbeit anmelden.
Im dritten Artikel geht es um das, was aus meiner Sicht jetzt möglich wäre. Ohne Appell. Ohne Masterplan. Eher als Einladung, anders über diese Branche nachzudenken. Über das, was sie kann. Über das, was sie trägt. Und über das, was sie gerade dabei ist, sich selbst wegzusagen.
In der Hoffnung, dass diese Betrachtungen der einen oder anderen Kollegin, dem einen oder anderen Kollegen unterhaltsam, bestärkend oder hilfreich sein mögen.

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